Die hier beschriebene Wappenkunde behandelt Fragestellungen zu folgenden  Punkte:

Die Führung eines Wappens

Die Ausstellung von Wappenbriefen zur Führung eines Wappens erfolgte in Deutschland bis 1800 durch den deutschen Kaiser, bzw. in Stellvertretung durch Hofpfalzgrafen. Seit dem 19Jh. wurde das Wappenwesen durch staatliche Heroldsämter geordnet. Im Jahr 1918 wurden diese aufgelöst, so dass in Deutschland seit diesem Zeitpunkt keine Behörde zur Regelung des Wappenwesen mehr besteht. In einigen Staaten des Auslandes, z.B. England bestehen noch heute Einrichtungen, die für die Ordnung des Wappenwesens zuständig sind.

In Deutschland wird die Annahme eines Wappens dem Recht am Namen §12 BGB gleichgesetzt. So kann jeder berechtigte Träger eines Familiennamens einen anderen, der den gleichen Namen unberechtigt trägt, die Weiterführung untersagen. Dieses gilt sinngemäß auch für Wappen. Das Recht am Familienwappen, steht wie der Familienname, allen lebenden Nachkommen als Gemeinschaft zu.

Wer ein neues Wappen annimmt, sollte auf Grund der in Deutschland fehlenden behördlichen Regelung seinen Eigentumsanspruch in geeigneter Weise veröffentlichen. Dieses ist z.B. über eine der verbliebenen Wappenrollen oder über das Internet möglich. 

 

Ein vorhandenes Wappen nutzen

Ein vorhandenes, altes Wappen darf nur dann als Familienwappen geführt werden, wenn eine Nachkommensverbindung zum ersten Träger des Wappens besteht. Kann diese nicht nachgewiesen werden, besteht keine Berechtigung zur Führung dieses Wappens.

Wird z.B. in alten Wappenbüchern von Rietstap, Siebmacher oder im Internet ein Wappen gefunden, das einer Familie mit gleichem Familiennamen zugeordnet ist, so leitet sich daraus keine Berechtigung ab dieses zu nutzen. Der Fund kann genutzt werden um evtl. ein verloren gegangenes Familienwappen wieder zu finden oder um die Verwendung eines gleichen oder ähnlichen Wappens für die eigene Familie auszuschließen.

Als Wappenfälschung oder Wappenschwindel bezeichnet man den Versuch eine Verbindung zu einem Familiennamen mit altem Wappen unberechtigt herzustellen.   

Aber auch ein ähnliches Wappen, das mit einem bestehenden Wappen verwechselt werden kann, darf nicht als neues eigenes Wappen geführt werden. Aber ist die Einmaligkeit eines Wappens überhaupt bestimmbar?

 

Einmaligkeit des Wappens

Der Nachweis, dass ein neues Wappen nicht zu einem bestehenden Wappen identisch ist, ist nicht so einfach. Zwei Wappen werden als gleich angesehen, wenn deren Wappenbeschreibungen gleich sind oder ein Betrachter, der nicht über besondere Sachkunde verfügt und nicht genauer prüft, keine Abweichung zwischen den Wappen feststellen kann.

Der Wappenbestand der letzten Jahrhunderte ist in keiner Datenbank hinterlegt. Niemand, auch die großen Wappenrollen haben eine vollständigen Überblick über alle vorhandenen Wappen. Eine Prüfung und behördliche Kontrolle, wie z.B. beim Warenzeichen ist nicht vorhanden. Ein Prüfung erfolgt zumeist auf eine Region oder Epoche begrenzt und ist immer unvollständig.

 

Regeln zur Wappendarstellung

Wappenaufbau und Inhalt erfolgen nach festen Regeln. Wobei diese Regeln auch immer wieder gebrochen wurden. So gilt für die Tinkturen (die heraldischen Farben) die Regel, dass die Farben (Rot, Blau, Grün, Purpur, Schwarz) und die Metalle (Gold = Gelb, Silber = Weiß) immer im Wechsel verwendet werden müssen. Die Folge Farbe auf Farbe oder Metall auf Metall ist unheraldisch. Die bundesdeutsche Flagge ist eigentlich unheraldisch, da Schwarz auf Rot folgt. Wer mehr zum Thema Wappenaufbau und Inhalt erfahren möchte, dem empfehle ich die Wappenkunde des Hauses der Bayerischen Geschichte.

Das Familienwappen wird heute als eine bildliche Darstellung des Familiennamens, der Eigenschaften oder Charakteristik der Familie oder der Familiengeschichte gesehen. Um die Auswahl möglicher Wappeninhalte für ein neues Familienwappen besser bestimmen zu können, haben wir ein Verfahren entwickelt, das anhand von Familienmerkmalen das passende Wappen auswählt. Näheres hierzu finden Sie unter der Wappensuche.

 

Zusammenfassung

  • Wer ein neues Wappen annimmt sollte dieses auch veröffentlichen, um den Besitzanspruch bekannt zu machen.
  • Ein aus eigenem Recht angenommenes Wappen ist hinreichend gültig, wenn ein anderer dieses Wappen nicht schon früher führte.
  • Vorhandene Wappen die dem gleichen Familiennamen, wie dem eigenen zugeordnet sind, dürfen nur dann angenommen werden, wenn eine Abstammung zum ursprünglichen Wappenträger hergestellt werden kann.
  • Viele Adelige besitzen eine Wappen, gestiftet durch einen Vorfahren, aber umgekehrt leitet die Führung eines Wappens keinen Titel ab, d.h. wer ein Wappen trägt, ist nicht automatisch adelig.
  • Verwechselungsfähige Wappen werden wie übereinstimmende Wappen behandelt.
  • Die Wappensuche hilft ein eigenes Wappen zu finden.